Sonntag, 5. Februar 2017

"Romance Love" von Philippa L. Andersson

Hallo!

Dieses Buch und die (nette) Autorin entdeckte ich auf der BuchBerlin und war von der Grundgeschichte so begeistert, dass ich es haben musste. Mein Herz hängt an der Idee und es ist schwer in Worte zu fassen, was falsch lief. Aber wenn ich die rosa-rote Brille abnehme, sehe ich - (fast) Nichts.


 

 

 

Allgemeines


Das Buch ist im Selbstverlag erschienen und hat ca. 332 Seiten. Die kindle-Version kostet 4 EUR, das Papierbuch 10 EUR.

Das Cover


Das Titelbild enthält ein Schwarz-Weiß-Foto zweier Liebender und einen magenta-farbenen Button, auf dem Titel und Untertitel zu lesen sind. Mich erinnert das Cover an ein bekanntes Buch, aber ich weiß nicht, welches...

Mir gefällt das Cover, weil ich den Kontrast mag und das Schwarz-Weiß sehr dezent wirkt. Es ist ungewöhnlich und ist eine willkommene Abwechslung zu halbnackten Körpern in Vollfarben.

Worum geht es?


Um eine überarbeitete Liebesroman-Autorin. Juliet muss pro Woche ca. 20 000 Wörtern schreiben und tut das infolge eines Knebelvertrages seit über 4 Jahren. Jetzt benötigt sie Urlaub und sucht eine Vertretung - und findet sie in Adam Maguire, einem gefeierten Autor, der in allen Genres schreiben kann. Doch Adam möchte für seine Dienste bezahlt werden - in körperlichen "Gefälligkeiten".

Die Idee gefällt mir sehr, weil ich damit rechnete, dass Juliet die Gefahren unterschätzt. Ich hatte erwartet, dass Adam sie fordert, bis weder Figur noch Leser wissen, ob sie das mitmachen. Ich hatte witzige Schlagabtausche und interessante erotische Szenen erwartet. Die Realität erinnerte mich an einen Apfelkuchen, den man statt in den Backofen in den Gefrierschrank packt.

Charaktere


Juliet Blake aka "Romance Love" ist eine junge Autorin von Liebesromanen. Sie weiß, wie ein guter Roman aufgebaut und geschrieben werden muss und fühlt sich sicher. Privat fühlt sie sich Menschen manchmal nicht gewachsen, was man am Ende gut sieht. Sie leistet Adam genügend Widerstand, um ein Gegengewicht zu sein, aber nicht genügend, um prägnant zu sein. Außerdem ist sie sehr romantisch und mag alles, was Adam mit ihr macht. Übrigens vergisst sie, ähnlich wie Ana Steele, zu essen. Mir fehlte bei Juliet Stolz.

Adam Maguire wirkte anfangs wie das fiese Problembällchen, entpuppt sich aber als sehr feinfühlig und nicht schwierig. Er betreibt das Schreiben ähnlich professionell, muss aber weniger schreiben und kann das Leben genießen. Dieser Kontrast wird am Anfang gut deutlich und mir hat das sehr gefallen. Adam strahlt Dominanz aus und liebt es "hart", aber anders als in "Royal Passion" wird nie erklärt, warum. Adam hadert mit sich und seiner Schreiberei und ich hätte gern mehr davon gelesen. Adam ist nett, aber mir fehlte Persönlichkeit.

Themen


Schreiben: Im Laufe des Buches erklärt Juliet, wie ein guter Liebesroman geschrieben sein muss, welche Wendepunkte es gibt und warum manche Dinge nicht funktionieren. Ich fand das sehr interessant, für mich sind diese Passagen das Herzstück, weil man die Charaktere gut spürt und etwas lernt.

Besonders erhellend fand ich das Verhältnis zwischen Fiktion und Realität - Adam versteht nicht, wie Juliet es schafft, Gefühle im Roman so echt darzustellen. Juliet widerum stellt fest, dass manche Momente in der Realität kürzer sind als in ihren Büchern. Sie bedauert das.

[Spoiler]

Häusliche Gewalt: Jede Figur braucht ein Trauma und Juliets ist, dass ihre Mutter vom Vater geschlagen und möglicherweise vergewaltigt wurde. Juliet musste das anhören und manchmal ansehen, sodass sie in Situationen, die sie bedrohen, in einen Schockzustand verfällt. Als Adam unabsichtlich Erinnerungen beim Sex hervorruft, kann sie sich nicht an das Safeword erinnern. Das Thema "Gewalt" wird angesprochen, aber nicht extrem ausfühlich betrachtet. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das finde. Einerseits ist es gut, weil ich ungern so etwas lese und es beruhigend war. Andererseits hatte ich das Gefühl, dass die Vergangenheit nur eine Nebenrolle spielte und der Figur ein Stück Persönlichkeit fehlte.

[/Spoiler]

Technik und Natur: Juliet hat in der Woche nur wenige Stunden für sich Zeit und lebt überwiegend digital - sie kauft (fast) alles über das Internet und telefoniert mit ihrer Mutter. Im Gegensatz dazu spielt ein Teil des Romans in einem einsamen Ferienhaus und am Strand. Das korrespondiert damit, dass Juliet über ferne Orte schreibt - jetzt sieht sie sie real.

Die Erotik


Wer sich bei "Shades of Grey" über Wortwiederholungen freute, wird in "Romance Love" vertrautes Terrain betreten - "feucht" wird 52 mal genutzt, "nass" 19 mal (allerdings auch im Sinne von "durch Wasser/Speichel nass"). Nach dem ersten Akt wird Juliet ständig nass, ist von jedesmal "bereit", sobald Adam mit ihr schlafen will. 2/3 des Buches beschäftigt sich mit der "schönsten Nebensache der Welt".

Gut fand ich, dass Juliet oft Wünsche äußert und die Initiative ergreift. Dennoch täuscht das nicht darüber hinweg, dass sie, obwohl Ich-Erzählerin, seltsam passiv ist. Sie genießt die Akte, aber ich fragte mich, was das in ihr auslöst. Sie hat nach (wahrscheinlich) 4 Jahren Arbeit wieder Sex und denkt nur einmal daran, die Zeit mit sich zu genießen.

Die Szene im Buchladen, die man in der Leseprobe liest, war heiß, weil sie an einem dunklen Ort spielt und die Spannung zwischen den Figuren spürbar ist. Und es deutet sich an, dass Adam gern spielt. Er mag es, mit ihr zu reden und ihr für jede Antwort "etwas" zu geben. Dass allein hätte gut funktionieren können, wenn die Figur emotional attraktiv gewesen wäre.

Ein bisschen SM gibt es, aber nicht so tief. Immerhin ist Adam rücksichtsvoll.

Die Spannung


Das Buch hat einen guten Ausgangspunkt, der es lange Zeit spannend macht: Welche Gegenleistung verlangt Adam? Hält Juliet das aus? Und was passiert nach dem Ende des getippten Romanes?

Später kommt noch hinzu, welches Geheimnis Juliet hat und was Adam verbirgt.

Nach einer guten Einstiegsszene kommt die Handlung nur sehr langsam voran, wird abgebremst durch die zahlreichen Sexszenen. Kurz vor dem Ende des fiktiven Romanes gibt es eine kleine Wendung, die die Spannung erhöht, aber nicht so knallig ist. Das Ende war für mich überraschend, aber ich habe den Konflikt nicht verstanden.

[Spoiler]

Adam hat den Verlag gekauft. Der Verlag, der Juliet seit Jahren ausbeutet. Ich hätte mich gefreut. Weil ich mit dem Chef schlafe und mich der Chef so sehr liebt, dass ich nichtmal mit dem Finger schnipsen müsste, damit der Vertrag geändert wird. Juliet ist sauer, dass er sie hintergangen hat. Ich kann diese Wut ein Stück verstehen, aber ich wäre nicht so aufgebracht. Immerhin gibt das Juliet die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen und ihn anzuschreien. Auch wenn sie danach (für mich schwer nachvollziehbar) Schuldgefühle hat. Aber es ist gut, dass sie sich ernst genommen hat..

[/Spoiler]

Allerdings: Im letzten Viertel wird der Roman temporeicher, griffiger und die Sprache kommt besser zur Geltung.

 

Schreibstil und Perspektive


Die Autorin schreibt relativ locker und es fiel mir sehr leicht, den Roman schnell zu lesen. Die Ich-Perspektive ist typisch für Liebesromane und funktioniert hier gut, allerdings nehmen die ständigen Beschreibungen der Akte viel Raum ein. Erst, als sich die Figuren voneinander entfernen, kommen die guten Dialoge und der Humor zur Geltung.

Fazit


"Romance Love" war eine ziemliche Enttäuschung für mich. Trotz der interessanten Ausgangslage und vielen Infos über das Schreiben fehlt es dem Roman an Reibung. Die Figuren schwelgen lange im Glück und müssen wenig kämpfen. Ich habe mich beim Lesen oft gefragt, ob der Roman einen Gegenentwurf oder sogar eine Parodie auf die Heftchen-Romane ist, von denen er handelt. Leider habe ich Heftchen-Romane gelesen, die mich mehr unterhalten haben. Es knistert nicht. Nichtsdestotrotz werde ich mit "The Actress" einen zweiten Versuch starten und hoffen, dass ich nochmehr schöne Seiten erleben kann.

Wer sehr geradlinige Liebesgeschichten mag und sich für's Schreiben interessiert, kann reinlesen. Wer ungewöhnliche Geschichten und mehr Tiefe mag, findet anderes.

Kommentare:

  1. Liebe Evy,

    klasse, wieviele Reviews Du bereits geschrieben hast! Hier werde ich auf jeden Fall öfter reinschauen!
    Dieses Buch kenne ich nicht. Nachdem ich die Anfangszeilen deines Beitrags las, war ich mir sicher, dass ich es lesen wollte. Und dann schreibst Du zum Schluss, es habe dich enttäuscht. Das macht mich etwas traurig, aber ich glaube, ich werde es trotzdem lesen! ;)
    Vielen Dank für die Inspiration!

    Liebst, Juliet
    www.withjuliet.com

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    1. Mich macht es auch traurig, aber es ist mir im Gedächtnis geblieben. Ich versuche dem Leser klarzumachen, dass ich vlt. für das Buch nicht der richtige Leser ist. Es ist sehr schwer zu unterscheiden, ob ICH etwas doof finde, oder ob es für die Mehrzahl der Leser auch doof ist. Das Buch ist ein guter Zeitvertreib, weil es sich leicht lesen lässt. Aber es folgt wieder dem Schema "williges Weibchen verliebt sich in fiesen Kerl mit weichem Kern". Und nachdem ich viele romantische Romane gelesen habe, möchte ich mich in einem Buch wiedererkennen oder es als Vorbild sehen - eine selbstbewusste Frau, die sich traut "Nein" zu sagen und mit den Konsequenzen zu leben, auch wenn's erstmal wehtut.

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